Kann Käse süchtig machen?

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Käse ist nicht nur fein, sondern sogar süchtig machend. Obwohl: Einfach nur aus der Luft gegriffen ist das nicht.

Wer im Internet die Begriffe «Käse» und «Sucht» eingibt, wird rasch fündig. Von «Suchtpotenzial» bis «harte Droge» liest man da. Und runzelt die Stirn: Alles nur aufgeregtes Geschreibe?  

Gute Frage. Und Grund genug, etwas genauer hinzuschauen. Kein Geringerer als der nationale Preisüberwacher, Stefan Meierhans, verriet letztes Jahr im «Migros-Magazin», dass er «süchtig» sei nach Kaltbach Käse. Und er ist kein Einzelfall, insbesondere, wenn es um unseren höhlengereiften Käse aus Kaltbach geht. Auch wenn hier das Wort «Sucht» wohl eher in geniesserischem Sinne gemeint ist, stellt sich die Frage: Ist da wirklich was dran? Und falls ja: Wie lässt sich das erklären?  

Ausflug in die Welt der Chemie 

Um Antworten zu finden, hat sich Thomas Büeler, Lebensmittelingenieur ETH bei Emmi, in einschlägige Fachliteratur vertieft. Immer wieder stolperte er dabei über den Begriff Casomorphine. Morphin-ähnliche Substanzen im Käse, die süchtig machen. Tatsächlich? Nun ja, ganz so falsch ist das nicht. Hauptbestandteil des Käse sind Proteine (Eiweiss). Der grösste Anteil des Milcheiweiss besteht aus Casein. Dieses wiederum setzt sich vorwiegend aus Beta-Casein zusammen, das man sich als lange Molekülketten vorstellen kann. Beim Reifungs- beziehungsweise auch beim späteren Verdauungsprozess im Körper werden diese Ketten «zerstückelt». Teilstücke dieser Ketten haben dann ähnliche Struktur und Zusammensetzung wie Morphin – und auch diese Wirkung: beruhigend, schmerzlindernd und vielleicht auch beglückend.  

Auch Muttermilch betroffen? 

Aber Achtung: Zu sagen ist nämlich dazu, dass die Konzentration sehr, sehr viel tiefer ist als bei einem Rauschmittel. Und je nachdem, wie der Käse gereift wird und die Eiweiss-Ketten zerstückelt sind, haben diese Stücke keine morphinähnliche Struktur mehr. Übrigens beschränkt sich dieses Phänomen nicht nur auf Kuhmilch. Forscher vermuten, dass unter anderem die Casomorphine in der Muttermilch die Säuglinge beruhigt. Aber viele dieser Effekte sind noch unerforscht. Deshalb rät der Fachmann Thomas Büeler sowohl Säuglingen als auch Käseliebhabern: Geniessen Sie einfach und vertrauen Sie auf Ihren eigenen Geschmack. 

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